DER STOFF, DER VERBINDET
Kollagen gilt als neues Beauty-Wundermittel – besonders für Frauen ab der Menopause. Was ist dran am Hype und was hat dieses Protein tatsächlich mit straffer Haut und Anti-Aging zu tun?
VON Daniela Jasch
EXPERTIN
Dr. Christina Hakl ist Ärztin für Allgemeinmedizin und spezialisiert auf Vorsorgemedizin, orthomolekulare Medizin sowie bioidente Hormontherapie. vorsorge-hakl.at

Als Pulver zum Trinken verspricht es weniger Falten, ein glatteres Hautbild sowie die Reduzierung von Cellulite. In Cremes oder Seren soll es der Haut Feuchtigkeit spenden und für einen ganz speziellen Glow sorgen. Ob als Nahrungsergänzungsmittel oder in der Kosmetik – der Markt ist voll mit Kollagen-Produkten. Zahlreiche Frauen schwören auf Schönheits-Drinks mit dem Pulver. Doch was ist Kollagen überhaupt und ist es wirklich so etwas wie ein neuer Jungbrunnen?
Gerüst für den Körper
„Kollagen ist ein Protein, genauer gesagt ein Strukturprotein. Man kann es sich als eine Art Gerüst unter der Haut vorstellen, das unser Bindegewebe zusammenhält“, weiß Orthomolekularmedizinerin, Hormonspezialistin und Vorsorgeärztin Christina Hakl. „Es ist essenziell für die Festigkeit der Haut, aber auch von Knochen, Sehnen und Gelenken – und es spielt eine wichtige Rolle für die Elastizität der Blutgefäße.“
Etwa 80% unseres Bindegewebes besteht aus Kollagen und 30% unserer gesamten Proteine sind Kollagene – damit ist es der Spitzenreiter unter den Eiweißen im Körper. Als wichtiger Bestandteil unseres Organismus wird Kollagen vom Körper selbst gebildet. „Im Körper wird ständig Kollagen auf- und abgebaut, mit zunehmendem Alter überwiegt jedoch der Abbau, die Neubildung funktioniert immer weniger effizient“, so Christina Hakl.
Mit dem Alter verändern sich unsere Bindegewebszellen und die Elastinfasern verschlechtern sich. „Gleichzeitig nimmt die Menge an Hyaluronsäure ab. Sie bindet Wasser und sorgt dafür, dass die Haut prall und gut durchfeuchtet bleibt“, so die Expertin.
Der Kollagengehalt nimmt aber nicht nur altersbedingt ab. „Auch äußere Faktoren wie eine intensive UV-Strahlung, übermäßiger Stress oder freie Radikale können den Abbau beschleunigen“, sagt Hakl. Und auch genetische Faktoren spielen eine große Rolle. Bestimmte Enzyme, die sogenannten Metalloproteinasen, nehmen mit dem Alter zu und bauen Kollagen verstärkt ab. Wie aktiv diese Enzyme sind, ist teilweise genetisch bedingt. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, chronische Entzündungen und Schlafmangel tun ein Übriges.
Gute Kollegen
Bei Frauen in den Wechseljahren kann der Verlust von Hautkollagen beträchtlich sein. Ab der Menopause, also dem Zeitpunkt der letzten Regelblutung, gehen bis zu 30% des Hautkollagens verloren – ein Effekt, der auch als Collagen Cliff bezeichnet wird.
„Kollagen wird in speziellen Bindegewebszellen produziert, den sogenannten Fibroblasten. Diese Zellen besitzen Rezeptoren für Östrogen, weshalb dieses Hormon einen direkten Einfluss auf die Kollagenbildung hat“, verdeutlicht Hakl.
Wir können uns die Fibroblasten ein bisschen wie die Kollagenfabriken unserer Haut vorstellen. Sie produzieren jene Eiweißfasern, die unser Gewebe fest und elastisch halten. Und sie reagieren auf Östrogen. Solange genug davon zu Verfügung steht, läuft die Kollagenproduktion auf Hochtouren. Sinkt der Östrogenspiegel aufgrund der Wechseljahre, schalten die Fibroblasten einen Gang zurück.
Die Folge: Unsere Haut verliert nach und nach an Spannkraft und Volumen. Sie wird deutlich dünner, im Gesicht etwa können Wangen und Konturen „absacken“. Nachdem Kollagen Feuchtigkeit speichert, kann die Haut bei einem Mangel trocken oder rau werden und es bilden sich mehr und mehr Falten.
„In den ersten drei bis fünf Jahren der Menopause ist der Verlust an Hautkollagen am stärksten, weshalb eine früh begonnene Hormonersatztherapie – wenn sie medizinisch angezeigt ist – auch für den Erhalt der Hautstruktur eine Rolle spielen kann“, unterstreicht Hakl.
Was uns zusammenhält
Je nachdem, in welchen Zellen Kollagene gebildet werden, unterscheiden wir verschiedene Typen mit bestimmten Aufgaben. Typ I ist für Haut, Sehnen, Knochen und Faszien zuständig. Kollagen Typ II befindet sich mit einem Anteil von über 80 % überwiegend im Knorpelgewebe und in den Bandscheiben. In Haut, Gefäßwänden und inneren Organen ist Kollagen Typ III im Einsatz. Kollagen Typ IV hat eine vernetzende Funktion im Bindegewebe und Typ V befindet sich vor allem in der Hornhaut, den Knochen und unserem Nervensystem.
„Bei Frauen beeinflusst Östrogen insbesondere Kollagen Typ I und Typ III. Sinkt der Östrogenspiegel, sind davon vor allem Haut, Bindegewebe und Blutgefäße betroffen“, erklärt Christina Hakl.
Nachdem Kollagen aber auch in Organen, Gelenken und Gefäßen vorkommt, macht sich ein Mangel meist auch an anderen Stellen im Körper bemerkbar. Das Gewebe verliert an Elastizität, Gelenke werden steifer und anfälliger für Verschleiß – häufig an Händen und Knien. Auch Knorpelverschleiß bzw. Arthroseneigung können die Folge der nachlassenden Kollagenbildung sein.
Kollagen zuführen?
Eines vorweg: Echtes Kollagen ist ein Strukturprotein, das in Haut, Knochen, Blutgefäßen und Knorpeln vorkommt und tierischen Ursprungs ist. Natürliche Kollagenquellen stammen daher traditionell aus tierischen Lebensmitteln. Klassisch gewonnen etwa durch lang gekochte Knochen- oder Fleischsuppen, bei denen das Kollagen aus Knochen und Bindegewebe in die Brühe übergeht.
Doch weil kaum jemand ständig Knochensuppen kocht, sind Lebensmittel gefragt, die die Kollagenbildung auf natürliche Weise fördern. Wichtig zu wissen: Um Kollagen zu bilden, benötigt der Körper bestimmte Aminosäuren wie Prolin und Glycin. Und damit daraus Kollagen entstehen kann, ist wiederum Vitamin C unverzichtbar.
„Ohne Vitamin C kann kein Kollagen gebildet werden. Deshalb ist eine protein- und vitaminreiche Ernährung zu empfehlen. Auch Zink und Kupfer sind wichtig für die Kollagenbildung“, betont Hakl.
Für die Supplementierung gilt: Unbedingt auf hochwertige und möglichst natürliche Quellen achten. Außerdem sollte Kollagen keinesfalls als Ersatz für eine eiweißreiche Ernährung gesehen werden. Empfohlen werden Dosierungen von bis zu zehn Gramm täglich – meist in Form von Trinkpulvern, die oft auch mit Hyaluronsäure kombiniert werden.“
ALS STRUKTURPROTEIN KOMMT ECHTES KOLLAGEN IN HAUT, KNOCHEN, BLUTGEFÄSSEN UND KNORPELN VOR.
ERGÄNZEND.
Bei Supplements sollte unbedingt auf hochwertige und möglichst natürliche Quellen geachtet werden.
Ob Pulver oder Ampullen:
Entscheidend ist, dass das Kollagen in kleine Eiweißbausteine, sogenannte Peptide zerlegt wird, die die Fibroblasten zur Kollagenproduktion anregen können. „Diese hydrolisierte Form kann der Körper besser aufnehmen – je kleiner diese Bausteine, umso besser die Verwertung und umso geringer die Dosierung“, weiß Hakl.
Was Cremes können
Abgesehen von Nahrungsergänzungsmitteln verweist Medizinerin Christina Hakl auf Mesooder Lasertherapie sowie Microneedling. Diese minimalinvasiven medizinischen Verfahren können die Haut gezielt stimulieren, um die Aktivität der Bindegewebszellen und damit die körpereigene Kollagenbildung anzuregen, wobei Kollagen nicht in die Haut injiziert wird.
Dafür, dass auch mit Kollagen versetzte Cremen oder Seren eine tiefenwirksame Kollagenbildung fördern, gibt es laut Hakl hingegen keinen belastbaren Nachweis. Selbst sogenannte Kollagenpeptide, also sehr kleine Eiweißbausteine, können in der Regel nicht in tiefere Hautschichten gelangen.
Was aus der kosmetischen Forschung jedoch hervorgeht: Kollagen in Cremes & Co kann sich wie ein Schutzfilm auf die Haut legen und Wasser binden. Was einen gewissen optischen Soforteffekt zur Folge haben kann: Die Haut wirkt kurzfristig glatter und praller.
Ebenfalls interessant: Bestimmte Signalstoffe in der Kosmetik können die Kollagenproduktion indirekt beeinflussen. So regen etwa Retinoide die Fibroblasten zur Kollagenproduktion an, bestimmte Peptide fungieren als Botenstoffe für Reparaturprozesse und Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor schützen das vorhandene Kollagen vor dem Abbau durch UV-Strahlung.
Auch wenn wir vom Jungbrunnen ein wenig entfernt sind, ein paar Kniffe scheint es immerhin zu geben, um die Haut bei dem zu unterstützen, was sie am besten kann: Sich selbst zu regenerieren.
Quelle: Maxima September 2026


